Pony am Flughafen

splace, Linz, 22.01.2016

Pony am Flughafen ist eine Lesereihe in Linz, bei der Menschen lesen was sie bewegt.

Ich durfte diese besondere Ansammlung bunter Einhörner besuchen und meinen Text Während/ Währenddessen zum Besten geben.

Hier ein kurzer Auszug:

[…]

wir - ich fange so gerne mit wir an, da fühlen sie sich gleich mitgemeint, obwohl es nur um mich geht - wir fangen also an. wir fangen an, als ob nichts wäre. wir, sie und ich, aber in wirklichkeit eben nur ich, gehen gemeinsam ein stück. wir tun so, als würden wir uns kennen. wir kennen uns gut, aber nicht zu gut. wir kennen uns eben gerade gut genug. gut genug zu wissen, wir kennen uns eben, zu wissen, wir sind uns nicht fremd, wir wollen uns kennen. aber wer kennt schon wirklich irgendwen wirklich. in wirklichkeit kennen wir uns nicht wirklich, kennt niemand irgendwen wirklich. wirklich, da möchte ich sofort aufhören,sie zu kennen.

das ist ja auch so was mit dem kennen. wenn man wen kennt, kann man nicht einfach aufhören mit dem kennen. den kennt man dann. kennen sie das? wenn sie wen von irgendwoher kennen und dann grüßen sie sich auf der straße ein paar tage und dann vergessen sie, woher sie den anderen kennen und der andere grüßt mehr gezwungen freundlich als alles andere und dann freut es sie vielleicht nicht mehr den anderen zu grüßen, weil der grüßt ja nie gscheit und dann grüßen sie einmal nicht mehr und der andere auch nur so halb und dann hören sie auf zu grüßen und dann wissen sie, sie kennen den aber wir grüßen uns nicht mehr und dann schauen sie immer ganz gerade aus auf der straße und denken sich, der schon wieder. kennt jeder.

aber sie kennen den dann. sie kennen den. immer. sie grüßen ihn nicht mehr, aber sie kennen ihn. was ist denn das für ein scheiß. kennen aber nicht grüssen aber immer weiter kennen. furchtbar. viel besser wäre, jemanden nicht kennen, aber jedes mal grüßen, aber dann kennen sie den ja auch irgendwie. es gibt keinen ausweg aus dem kennen. es gibt ja auch kein wort für das nicht-kennen. unbekannt ist ja auch nur die verneinung von bekannt. unkenntlich heißt was ganz anderes. ich kann nicht ausdrücken, dass ich jemanden nicht kenne, ich muss immer das kennen verneinen.

immer verneinen. immer sagen, nein, kenne ich nicht, will ich nicht, will ich nicht kennen. fremd. sie sind mir fremd. so kann man das sagen, in einem wort - fremd. ich habs sogar schon im ersten absatz verwendet. schauen sie, erster absatz, fünfte zeile, vierzehntes wort - fremd. das ist mir jetzt sehr unangenehm. das macht die zweite hälfte des bisherigen textes unnütz, (nein), nutzlos, (nein), unsinnig, (nein), überflüssig.

[…]

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