2025 - 2026

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202x

Texte aus den Jahren 2025 und 2026.

anderswelt

Imaginationen aus einer Welt, die unserer nicht unähnlich scheint.

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Performatives und Abgegrenztes

wir sind frachtzüge, baby

Über den leisen Faschismus unserer Zeit

TEXTPROBE 2025

Wärenddessen

während - (auch währenddessen)
verstanden wir (nicht)
und das werden sie verstehen
dass es - (nicht) - wichtig war
währenddessen

erst später verstanden wir
dass der verstand mitspielt
(spielerisch)
begannen wir das reifen zu begreifen
das erkennen zu benennen
das handeln zu wandeln

wir - ich fange so gerne mit wir an, da fühlen sie sich gleich mitgemeint, obwohl es nur um mich geht - wir fangen also an. wir fangen an, als ob nichts wäre. wir, sie und ich, aber in wirklichkeit eben nur ich, gehen gemeinsam ein stück. wir tun so, als würden wir uns kennen. wir kennen uns gut, aber nicht zu gut. wir kennen uns eben gerade gut genug. gut genug zu wissen, wir kennen uns eben, zu wissen, wir sind uns nicht fremd, wir wollen uns kennen. aber wer kennt schon wirklich irgendwen wirklich. in wirklichkeit kennen wir uns nicht wirklich, kennt niemand irgendwen wirklich. wirklich, da möchte ich sofort aufhören, sie zu kennen.

das ist ja auch so was mit dem kennen. wenn man wen kennt, kann man nicht einfach aufhören mit dem kennen. den kennt man dann. kennen sie das? wenn sie wen von irgendwoher kennen und dann grüßen sie sich auf der straße ein paar tage und dann vergessen sie, woher sie den anderen kennen und der andere grüßt mehr gezwungen freundlich als alles andere und dann freut es sie vielleicht nicht mehr den anderen zu grüßen, weil der grüßt ja nie gscheit und dann grüßen sie einmal nicht mehr und der andere auch nur so halb und dann hören sie auf zu grüßen und dann wissen sie, sie kennen den aber wir grüßen uns nicht mehr und dann schauen sie immer ganz gerade aus auf der straße und denken sich, der schon wieder. kennt jeder.

aber sie kennen den dann. sie kennen den. immer. sie grüßen ihn nicht mehr, aber sie kennen ihn. was ist denn das für ein scheiß. kennen aber nicht grüssen aber immer weiter kennen. furchtbar. viel besser wäre, jemanden nicht kennen, aber jedes mal grüßen, aber dann kennen sie den ja auch irgendwie. es gibt keinen ausweg aus dem kennen. es gibt ja auch kein wort für das nicht-kennen. unbekannt ist ja auch nur die verneinung von bekannt. unkenntlich heißt was ganz anderes. ich kann nicht ausdrücken, dass ich jemanden nicht kenne, ich muss immer das kennen verneinen.

immer verneinen. immer sagen, nein, kenne ich nicht, will ich nicht, will ich nicht kennen. fremd. sie sind mir fremd. so kann man das sagen, in einem wort - fremd. ich habs sogar schon im ersten absatz verwendet. schauen sie, erster absatz, fünfte zeile, vierzehntes wort - fremd. das ist mir jetzt sehr unangenehm. das macht die zweite hälfte des bisherigen textes unnütz, (nein), nutzlos, (nein), unsinnig, (nein), überflüssig.

wir haben etwas gewusst und vergessen und dann wieder erinnert und so viel ist dadurch überflüssig geworden. wir sollten uns nie mit etwas beschäftigen, dann vergessen wir viel weniger. wir werden mit dem vergessen überflüssig. wir sollten uns vergessen. vergessen und fremd sein. fremdvergessen, wie fremdschämen - sich selbst für jemand anderen vergessen. ich vergesse mich gleich selbst. für sie. ich vergesse mich und was dann passiert, das kann ich nicht sagen, dafür fehlen mir die worte.

weil
mittendrinnen vergessen wir - uns

das ist so
mittendrinnen vergessen - wir

schön
mittendrinnen - vergessen

irgendwie
mittendrinnen

aber das vergessen ist ja gar nicht das problem! verstehen sie das denn nicht? wir haben uns an das vergessene erinnert und dann ist die misere passiert, dann ist uns aufgefallen, dass da schon was war und das war dann schlimm. das erinnern war peinlich. wir können vergessen, was wir wollen. das erinnern ist die katastrophe. wir können uns vergessen und nichts wäre geschehen. wir wüssten nicht mehr, dass es uns jemals gegeben hat. kein schmerz. keine katastrophe. kein grüßen mehr auf der straße und erinnern, wir haben uns mal etwas bedeutet. absolutes vergessen. jedes ende absolutes vergessen. so sollte es sein. stellen sie sich das vor. schön. irgendwie.
ach, vergessen sie’s.

was haben wir nicht schon alles vergessen? was werden wir nicht noch alles vergessen? an was werden wir uns niemals erinnert haben? was ist uns jetzt nicht erinnerlich und wird es niemals sein?

wie dieses eine album - ja, ich weiß, sie dachten, ich spreche von wichtigen dingen, wie unserer vergangenheit, unserer verantwortung, nein tu ich nicht, tut eh keiner mehr - ich meine dieses eine album. es war ein doppelalbum. es hatte einen dunkelblauen rand und in der mitte war ein foto der band, die auf uns herabschaut. es sind natürlich nicht die beatles. wie soll man denn ein beatles album vergessen? kann man als raucher vergessen, dass es zigaretten gibt? experimental rock. letzte nummer der ersten platte, unglaubliches crescendo, steigert sich immer und immer weiter und dann - (dann!) - schließt die erste nummer der zweiten platte nahtlos - (nahtlos!) - an diese nummer an. unglaublich. aber wir wissen nicht mehr, wie dieses album heißt. wir wissen nicht mehr, wie die band heißt. wir wissen nicht mehr, ob das cover tatsächlich so ausgesehen hat. wir wissen nicht mehr, ob es wirklich die letzte nummer der ersten platte und die erste nummer der zweiten platte waren. wir wissen praktisch nichts mehr.

die erinnerung des theseus. wenn wir uns an nichts mehr wirklich erinnern und jeden teil einer erinnerung gegen etwas tauschen, von dem wir glauben, wir erinnerten uns daran - ist es dann noch dieselbe erinnerung? naja - wenn wir nicht wissen, dass wir uns auch an die einzelteile nicht mehr richtig erinnern - naja, dann auch nicht. grauenhafte vorstellung. wie oft uns das wohl schon passiert ist. an wie viele male des falschen erinnerns können sie sich erinnern? wir? 16.

15, 14, 13, 12, 11, 10, 9, 8, 7, 6, 5,
gleich
4
jetzt gleich
3
werden wir verstehen
2
doch nicht
1
zu spät
NULL

wir sollten uns wieder trennen, solange es noch geht. leben sie wohl. vergessen sie mich nicht. wir müssen uns auch nicht grüßen.